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Publikationen und Projektberichte

Gigabitnetze: Flächendeckender Ausbau bietet Chancen für kommunale Versorger

Norbert Thewes: „Die Ausgangsbedingungen der Stadtwerke für Gigabitnetze sind gut“ (Bild: emb)

Die Corona-Krise zeigt es: Ohne leistungsstarke, stabile Internetverbindungen geht es nicht – sei es nun auf dem Weg in die Arbeitswelt 4.0, beim Bereitstellen digitaler Lerninhalte oder einfach nur beim Streamen der Lieblingsserie. Erst Giganetze flächendeckend auszubauen ermöglicht eine effektive Digitalisierung aller Lebensbereiche – von bequemen und sicheren Online-Dienstleistungen über ein energieeffizientes Smart Home bis hin zur Teilhabe an den Chancen der grünen, intelligent vernetzten Städte der Zukunft. Für kommunale Versorger eröffnen sich hier spannende Perspektiven, um sinkende Margen im Strom- und Gasgeschäft auszugleichen und neue Geschäftsfelder zu erschließen. energie.blog sprach mit Norbert Thewes, Geschäftsführer der EnergieMarkt Beratungsgesellschaft mbH, über den optimalen Einstieg, Herausforderungen und Förderoptionen.

e.b: Herr Thewes, bundesweit wird die Modernisierung der digitalen Infrastruktur zur Chefsache erklärt. Ihr Unternehmen begleitet schon seit einigen Jahren regionale Dienstleister und kommunale Energieversorger beim Ausbau ihrer Netze. Sie selbst sind ein exzellenter Kenner der kommunalen IT- und Förderlandschaft. Inwieweit hat sich über die letzte Zeit der öffentliche Fokus verschoben – sowohl hinsichtlich des Kundeninteresses als auch der staatlichen Investitionslenkung?

Thewes: Die Glasfasererschließung ist heute zum Inbegriff des Breitbandausbaus geworden. Dabei standen bislang vor allem die sogenannten „weißen Flecken“ im Mittelpunkt, also eher ländlich geprägte Außenbereiche mit einer geringen Anschlussdichte und einer Internetgeschwindigkeit, die oft unter fünf Mbit/s lag. Die Kunden zeigen hier starkes Interesse, wissen sie doch, wie essentiell ein leistungsstarkes High Speed Internet für Bevölkerung, Wirtschaft und Tourismus ist. Entsprechend groß ist auch die Rückendeckung durch Anwohner, Verbände und Lokalpolitik. Die kommunalen Versorger können Zukunftsprojekte dieser Dimension meist ohne erkennbaren Wettbewerb oder größere bautechnische Einschränkungen umsetzen.

Graue Flecken rücken in den Fokus

Ende August 2020 nun hat die Bundesregierung – eher unbemerkt von der Öffentlichkeit – den Fokus der Förderung auf die sogenannten „grauen Flecken“ erweitert. Das sind Gebiete, die bereits über Übertragungsraten von mehr als 30 Mbit/s verfügen. Die entsprechende Rahmenregelung wird derzeit mit der Europäischen Kommission abschließend abgestimmt. Mit dem zukünftigen „Graue-Flecken-Programm“ wird sich die Förderlandschaft noch einmal grundlegend ändern, was neue Herausforderungen, aber auch Chancen mit sich bringt.

e.b: Bleiben wir noch kurz bei der bisherigen Förderpraxis in den sogenannten „weißen Flächen“. Wie sollten sich Regionalversorger positionieren, um sich hier erfolgreich für die digitale Zukunft aufzustellen?

Thewes: Der Fokus liegt in diesen Fällen auf einem detaillierten Kennenlernen des komplexen Förderregimes, der Möglichkeiten zur Mittelanforderung und Dokumentation. Hierbei gilt es, sich auch mit allen jeweils neuen Entwicklungen vertraut zu machen. So wird z. B. die Mitverlegung von eigenen Leitungen und Leitungen Dritter sehr spezifisch geregelt.

Für das ausbauende Unternehmen bedeutet das vor allem, seine Organisation und Prozesse spezifisch an diesem übergreifenden Ziel auszurichten. Unsere Erfahrung als Berater und Dienstleister zeigt, wie wichtig in Projekten dieser Größenordnung ein effektives Controllingsystem ist. Nicht selten müssen bei dem betreffenden kommunalen Versorger auch erst die Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Unsere Empfehlung: Behalten Sie bei allem stets Ihre Prozesse im Blick! Machen Sie eine kritische Bestandsaufnahme, was genau angepasst werden muss, damit das Projekt im Sinne der Förderrichtlinien und Verträge sicher gesteuert werden kann.

Bedeutung von Netzservices wächst

Hinsichtlich der zugrunde liegenden Prozesse ist zu differenzieren. Während etwa die Netzplanung für viele Stadtwerke bereits heute gelebte Praxis ist, ergeben sich neue Prozesse beim sogenannten „Netzservice“ z. B. aus den Anforderungen der Netzbereitstellung, der Anschaltung, Portierung oder Netzdokumentation. Vertrieblich sind das Vertragsmanagement und der Kundenservice erfolgsentscheidende Faktoren. Mit Inkrafttreten des Graue-Flecken-Programms wächst ihre Bedeutung noch.

e.b: Das verantwortliche Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat „die flächendeckende Verfügbarkeit von gigabitfähiger Infrastruktur“ zur „übergreifenden Zielsetzung“ erklärt. Was genau ändert sich mit der Erweiterung der bisherigen Förderung auf die sogenannten „grauen Flecken“?

Thewes: Mit der aktuellen Aussage der Bundesregierung ändert sich für Städte und Gemeinden vieles. Bisher im Wesentlichen mit Vectoringtechnik erschlossene Gebiete können jetzt auch bei mangelndem privatwirtschaftlichen Interesse durch die gezielte Förderung mit einem Giganetz überbaut werden.

Die Zielrichtung ist klar und impliziert: Kupferbasierte Netze, die in Teilen auch Bandbreiten von über 50 Mbit/s bereitstellen, sind dauerhaft nicht für die wachsenden Anforderungen der Digitalisierung geeignet.

Bislang hatten die Städte und Gemeinden nur wenig Handhabe, der von Bürgern und Unternehmen angemahnten Unterversorgung ein tragfähiges Digitalkonzept entgegenzusetzen. Ein erweitertes Förderprogramm gäbe beim Start in die Zukunft den erforderlichen Rückenwind.

Neue Geschäftsfelder rücken in den Fokus

Für Stadtwerke rückt die Ankündigung zum „Graue-Flecken-Programm“ aber auch neue, attraktive Geschäftsfelder in den Fokus. In der Regel sind sie ja bereits als Stromversorger in den verdichteten Gebieten tätig und können erfolgreich ihre Erfahrungen und Synergien aus dem Kerngeschäft nutzen, z. B. beim Aufbau netzgebundener Infrastruktur, bei der Bearbeitung kundenbezogener Massenprozesse oder in Marketing und Vertrieb. Hier zahlen sich regionales Engagement und das über Jahre gewachsene Kundenvertrauen in die Marke „Stadtwerk“ aus.

e.b: Mit der Ankündigung der Bundesregierung geht eine Tür zur weiteren kommunalen Breitbandentwicklung auf. Wann lohnt es sich, aktiv zu werden?

Thewes: Es lohnt sich für jeden kommunalen Versorger, die eigenen Chancen und Risiken verantwortungsbewusst abzuwägen. Soweit bereits das Geschäftsfeld Breitbandversorgung besetzt ist, wäre damit eine konsequente Ergänzungsmöglichkeit gegeben. Aber auch der Einstieg in das Geschäftsfeld bietet unter den Rahmenbedingungen einer Förderung zur Deckung der bisher bestehenden Wirtschaftlichkeitslücke eine optimale Startposition.

e.b: Sind die Ausgangsbedingungen mit denen in den sogenannten „weißen Flecken“ vergleichbar?

Thewes: An einem hat sich nichts geändert: Der Erfolg einer Digitalstrategie – ob nun in der Wirtschaft, in der Verwaltung, im Bildungswesen oder im privaten Bereich – steht und fällt mit einer zukunftsstarken Netzinfrastruktur. Zugleich verstärkt sich die Konkurrenzsituation durch innovative Marktteilnehmer und Disruptoren, die in potentielle Fördergebiete drängen und neue Wachstumsfelder erschließen wollen. Der 5G-Wettbewerb wird in den Ballungsräumen zunehmen – mit noch nicht abschätzbaren Folgen für das Nutzerverhalten, vom autonomen Fahren bis hin zum Einsatz künstlicher Intelligenz in allen Lebensbereichen. Auch haben wir die Beobachtung gemacht, dass sich Kunden trotz dieser neuen digitalen Perspektiven heute in Teilen schwer von den zukünftig erforderlichen Bandbreiten überzeugen lassen. Positiv für die Stadtwerke ist jedoch, dass mit den vorhandenen Infrastrukturen für die Energienetze oft bereits nennenswerte Strecken für eine Glasfaserinfrastruktur vorhanden oder mindestens mit Leerrohren vorgesehen sind. Die Ausgangsbedingungen sind also gut.

Unbedingt am Ball bleiben!

e.b: Was raten Sie interessierten Kommunen?

Thewes: Städte, Gemeinden und ihre kommunalen Versorger sollten unbedingt am Ball bleiben und idealerweise noch vor dem offiziellen Inkrafttreten des Graue-Flecken-Programms den Markt evaluieren, Förderbedingungen abwägen und sich strategisch positionieren. Entsprechende Vorbereitungen können schon heute getroffen werden, z. B. durch die Identifizierung der bestehenden Infrastruktur, eine Bestandsaufnahme der bestehenden Aufbau- und Ablauforganisation (inklusive der IT-Infrastruktur) oder die Erarbeitung einer individuellen Strategie zum Eintritt in die neuen Geschäftsfelder.

Die EnergieMarkt Beratungsgesellschaft unterstützt hier zielgerichtet – von einer objektiven Analyse der Ausgangslage bis hin zum Aufzeigen möglicher Förder- und Wachstumsoptionen.

e.b: Herr Thewes, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Dr. Anke Schäfer, Dr. Schäfer PR- und Strategieberatung.

Pressekontakt
Dr. Schäfer PR- und Strategieberatung
Dr. Anke Schäfer
Arno-Esch-Str. 1
18055 Rostock
Telefon: +49 381 666 58 58
E-Mail: info(at)dr-schaefer-pr.de

(Der Projektbericht ist auch erschienen im "energie.blog" in den "Company News" am 26.10.2020.)