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Publikationen und Projektberichte

Stadtwerke Lengerich treiben Breitbandausbau voran

Chancen und Herausforderungen für kommunale Infrastrukturdienstleister

 

Deutschland ist auf dem Weg zur digitalen Gesellschaft. Leistungsfähige Breitbandnetze sind dafür die Voraussetzung. Die Stadtwerke Lengerich sehen sich als kommunaler Infrastrukturdienstleister dabei in der Pflicht, den Bürgern der Region den Zugang zu einer modernen Informations- und Kommunikationstechnologie zu ermöglichen. Allerdings ist der flächendeckende Breitbandausbau nur mit staatlichen Förderungen wirtschaftlich abbildbar. Damit ist das neue Geschäftsfeld eine große Herausforderung für ein mittelständisches Unternehmen wie die Stadtwerke Lengerich.

 

Eine Grundlage für die schrittweise Gestaltung der digitalen Gesellschaft sind leistungsfähige Breitbandnetze. Der Ausbau dieser Netze liegt dabei vorwiegend in der Hand privatwirtschaftlicher Unternehmen. Wo ein privatwirtschaftlicher Ausbau durch erschwerte Bedingungen bisher noch nicht stattgefunden hat, können die Kommunen mit Fördergeldern von Bund und Ländern den Ausbau leistungsfähiger Breitbandnetze selbst vorantreiben. Ziel dieser Fördermaßnahmen ist es, hochleistungsfähige Breitbandnetze mit mindestens 50 Mbit/s auch in bisher unterversorgten Gebieten beziehungsweise in Außengebieten bereitstellen zu können.

Voraussetzungen für den Ausbau einer modernen Glasfaserinfrastruktur

Die bisherigen Aktivitäten der Stadtwerke Lengerich GmbH zum Ausbau einer modernen Glasfaserinfrastruktur waren in erster Linie durch die Modernisierung des Stromnetzes und die vor allem aus der Energiewende resultierenden Anforderungen an einen Verteilungsnetzbetreiber geprägt. Der FTTH-Ausbau (Fiber to the home) konzentrierte sich zunächst auf die Ortskerne von Lengerich, Tecklenburg, Ladbergen und Lienen und sollte laut ursprünglicher Strategie sukzessive auf die Außengebiete ausgeweitet werden.

Die Erschließung der Außenbereiche ließ sich bis dato – vor allem aufgrund wirtschaftlicher Aspekte – nur über Synergien mit der Modernisierung der Strom- und Gasnetze für kleine Teilstrecken verwirklichen. »Da die Stadtwerke Lengerich sich als Infrastrukturdienstleister für die gesamte Region verstehen, mussten alternative Möglichkeiten gefunden werden, damit auch die Außenbereiche schnellstmöglich mit einer hohen Bandbreite versorgt werden können«, so Martin Schnitzler, Geschäftsführer der Stadtwerke Lengerich.

In Zusammenarbeit mit den Kommunen wurden technische und wirtschaftliche Möglichkeiten untersucht. Zur Überbrückung nutzten die Stadtwerke die Richtfunktechnologie, um über diese technische Alternative schnellstmöglich in die Außengebiete zu gelangen. Parallel dazu beschlossen die Kommunen, sich auf die durch Bund und Land bereitgestellten Fördermittel zu bewerben. In der Folge sollte im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung ein geeigneter Dienstleister gefunden werden, der den kabelgebundenen Ausbau in den Außengebieten durchführt.

Im Rahmen der Ausschreibung hat auch die Teutel GmbH – eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke – ein Angebot für den flächendeckenden Ausbau abgegeben. »Durch unsere bereits erlangte technische Expertise im Breitbandausbau sowie unsere Kundennähe konnte die Teutel GmbH die Ausschreibung für sich gewinnen. Allerdings ging die Arbeit mit dem Zuschlag erst richtig los. Nun waren wir als Unternehmen gefordert, alle vorbereitenden Maßnahmen zum Bau von rund 580 km zusätzlichen Breitbandnetzes zu treffen sowie den Vorgaben aus den Förderrichtlinien zu entsprechen«, betont Schnitzler.

Innerhalb kürzester Zeit wurde eine Projektorganisation etabliert, die sich konzentriert um diese Maßnahmen kümmern sollte. »Da es sich bei dem Projekt um eines der herausforderndsten Projekte der Stadtwerke Lengerich in den vergangenen Jahren handelt, haben wir uns mit der Energiemarkt Beratungsgesellschaft mbH (emb) einen Partner geholt, der die Projektleitung kurzfristig übernehmen konnte«, ergänzt Schnitzler. »Die emb hat uns sowohl bei der Strukturierung als auch bei der operativen Umsetzung des Projekts umfassend unterstützt«.

Herausforderungen aus den Förderrichtlinien für Organisationen

Die Richtlinien der Förderung zur Unterstützung des Breitbandausbaus [1], dazugehörige allgemeine sowie besondere Nebenbestimmungen zur Projektförderung (ANBest-GK, BN-Best-GK) und andere, zu dem Antragsverfahren gehörende Dokumente wie Zuwendungsverträge, Zuwendungsbescheide und Angebote liefern eine Vielzahl unterschiedlicher Vorschriften, die im Rahmen des Ausbaus zu beachten sind und für die Teutel GmbH zu Beginn der Arbeiten vorzubereiten waren.

»Außer der Herausforderung, das flächenmäßig große Netz zu planen, gilt es beispielsweise auch, einen besonderen Blick auf die buchhalterische Abwicklung und alle operativen Prozesse zu legen«, erläutert Norbert Thewes, Geschäftsführer der emb und Projektleiter. »Nur so kann das Projekt auch wirtschaftlich optimal gesteuert werden.«

Projekt mit Auswirkungen auf die gesamte Aufbau- und Ablauforganisation

Die Vorgaben hinsichtlich Datenqualität, Berichts- und Prozessvorschriften sowie buchhalterischer Abwicklung der Förderrichtlinien sind herausfordernd für Unternehmen. Im Rahmen der Netzplanung musste eine Vielzahl von Informationen gepflegt werden, die zum einen eine Befähigung der Planungswerkzeuge und zum anderen einen hohen personellen Aufwand in der Planung bedeuteten.

Weitere Einschränkungen waren durch das durch den Bund vorgegebene Materialkonzept gegeben. Aus diesen Erkenntnissen und Informationen wurden die vorbereitenden Maßnahmen für den Baubeginn abgeleitet. Hierzu zählten unter anderem die Ausschreibungen für Tiefbauer sowie die vorbereitenden Maßnahmen im Einkauf und in der Lagerwirtschaft. »Durch den großen Materialbedarf sowie die Notwendigkeit des Nachweises zur Materialverwendung mussten zusätzliche Lagerflächen gefunden und vorbereitet werden. Hinzu kam, dass das ERP-System in der Beschaffungs- und Lagerwirtschaft mit Blickrichtung der sachgerechten Verbuchung befähigt werden musste«, erklärt Daniel Knipprath, Projektleiter der emb. Auch gibt es zahlreiche Vorgaben hinsichtlich des Vertriebs- und Marketingauftritts, die in die Organisation eingebracht und abgewickelt werden müssen. Hierzu zählen unter anderem die Verwendung von Logos der Fördergeber, aber auch klare Vorgaben über die zu liefernden Informationen im Außenauftritt.

Besondere Anforderungen an Controlling und Personalmanagement

Aufgrund des verhältnismäßig großen Investitionsvolumens und gleichzeitig kurzer Realisierungsvorgaben waren die Anforderungen und Bedürfnisse im kaufmännischen Bereich hoch. Außer der sachgerechten und nachvollziehbaren Verbuchung der Aufwände und Erlöse im Rahmen des Förderprojekts wurden zahlreiche Anforderungen an das Controlling gestellt. »Natürlich mussten und müssen wir das Projekt wirtschaftlich abbilden. Hieraus entsteht der Bedarf, eine durchgehende und transparente Sicht auf das Budget sowie die anderen wirtschaftlichen Parameter der Teutel GmbH zu wahren, sodass wir zu jedem Zeitpunkt handlungsfähig sind und reagieren können«, betont Thewes.

Ein Projekt dieser Größenordnung hat elementare Auswirkungen auf die gesamte Organisation. »Die Gefahr, dass ein solches Projekt scheitert, wenn es nicht umfänglich als Veränderungsprozess im Unternehmen gestaltet wird, ist groß. Ohne die aktive Einbindung und Mitnahme aller Mitarbeiter ist ein solches Projekt nur schwer zu stemmen«, erklärt Knipprath.

Baubeginn im Frühjahr 2018

Am 1. März 2018 war der erste Spatenstich und die Bauarbeiten haben begonnen. »Wir sind froh, dass wir unseren Bürgern die Infrastruktur für das neue Zeitalter der Kommunikations- und Informationstechnologie in den nächsten Jahren flächendeckend bereitstellen können. Wir verstehen es als Chance, aber auch als Pflicht eines kommunalen Infrastrukturdienstleisters, diesem Auftrag nachzukommen«, erläutert Schnitzler.

 

Literatur

[1]     BMVI: Richtlinien der Förderung zur

Unterstützung des Breitbandausbaus in

der Bunderepublik Deutschland. 2016.

 

>>     Dr. Anke Schäfer, Dr. Schäfer PR- und Strategieberatung, Rostock

>>     www.swl-unser-stadtwerk.de

          www.teutel.de

(Der Projektbericht ist auch erschienen in der Fachzeitschrift ew, Heft 3-4/18, S. 24-25)